Manchmal sind es nicht die großen Beträge, die nerven. Es sind die kleinen. Die stillen. Die, die sich wie ein Staubkorn ins Getriebe setzen und dort jahrelang unauffällig vor sich hinreiben.
Ich habe mir eine neue Apple Watch gekauft. Ein technisches Schmuckstück, das mir sagt, wann mein Herz stolpert, wie schlecht ich geschlafen habe und dass ich mich gefälligst bewegen soll. Ich mag das Ding. Wirklich. Fortschritt zum Umlegen des Handgelenks.
Dann kam die Rechnung.
Zwischen Mehrwertsteuer und Gesamtsumme versteckt sich ein Posten, der wirkt wie ein schlechter Scherz mit Behördenstempel:
Urheberrechtsgebühr – 1,43 €
Eine Gebühr… für was genau?
Für Musik, die ich nicht kopiere.
Für Filme, die ich nicht speichere.
Für Inhalte, die ich auf dieser Uhr nie sehen werde, weil ich damit eher meinen Puls als Hollywood konsumiere.
Aber theoretisch könnte ich.
Und in Deutschland reicht „theoretisch“ bekanntlich völlig aus, um Geld zu verlangen.
Willkommen im Land der vorsorglichen Abkassierung
Diese Abgabe ist kein Fehler. Kein Versehen. Kein Apple-Trick.
Sie ist gesetzlich so gewollt.
Die Idee dahinter stammt aus einer Zeit, in der man Kassetten überspielt hat und stolz war, wenn der Walkman nicht geleiert hat. Um Künstler zu entschädigen, wurde beschlossen: Wer Geräte verkauft, mit denen man kopieren könnte, zahlt pauschal. Der Kunde natürlich gleich mit.
Das war vielleicht 1987 irgendwie logisch.
2025 wirkt es wie ein Museumsstück, das man vergessen hat abzubauen.
Denn heute bezahle ich für Streaming, für Abos, für Cloudspeicher, für Lizenzen, für alles. Ich kopiere nichts. Ich besitze kaum noch etwas. Ich miete Inhalte auf Zeit und bin froh, wenn sie morgen noch da sind.
Und trotzdem zahle ich weiter eine Abgabe dafür, dass ich theoretisch etwas kopieren könnte, was ich praktisch gar nicht habe.
Der eigentliche Punkt
1,43 Euro sind kein Drama.
Aber sie stehen symbolisch für ein System, das sich daran gewöhnt hat, Bürger nicht als Nutzer, sondern als Einnahmequelle zu betrachten.
Nicht: „Was nutzt du?“
Sondern: „Was könntest du nutzen? Dann zahl mal.“
Es ist dieses Gefühl, immer wieder zur Kasse gebeten zu werden, ohne gefragt zu werden. Immer mit einem freundlichen Lächeln, immer rechtlich sauber, immer ein kleines bisschen absurd.
Man fühlt sich nicht betrogen.
Man fühlt sich verwaltet.
Die Quintessenz, ganz ohne Marketingnebel und Apple-Glanz:
Die Urheberrechtsabgabe ist legal. Sie ist gut gemeint.
Und sie ist komplett aus der Zeit gefallen.
Sie passt nicht mehr zu einer Welt, in der Inhalte gestreamt, lizenziert, kontrolliert und zeitlich begrenzt sind. Sie trifft vor allem Menschen, die Technik normal nutzen und nicht exzessiv konsumieren. Und sie erzeugt dieses leise, hartnäckige Gefühl, dass irgendwo jemand die Zitrone noch einmal dreht. Nur zur Sicherheit.
Meine Apple Watch misst jetzt meinen Puls.
Schade, dass sie nicht auch messen kann, wie oft man in diesem Land innerlich mit den Augen rollt.

