Es gibt diese Nächte, die bleiben hängen.
Nicht wegen großer Erkenntnisse.
Sondern weil dir ein Zahnarzt um halb zwei morgens einen Backenzahn zieht und du danach das Gefühl hast, dein Kopf wurde einmal komplett neu verkabelt.
Heute Nacht war so eine.
Ich saß im Notdienst, geschniegelt wie jemand, der definitiv nicht geschniegelt ist.
Mit diesem leicht verzweifelten Blick, den man nur entwickelt, wenn man hofft, dass ein Zahnarzt sagt:
„Ach, das ist nur halb so wild.“
Spoiler: War es nicht.
Der Stiftzahn musste raus. Ende der Diskussion.
Und während ich da lag, mit offenem Mund und geschlossenen Erwartungen, kam mir plötzlich ein Gedanke:
Du wirst ohne Zähne geboren – und Du wirst auch ohne Zähne sterben.
Ein Satz, der gleichzeitig banal und irgendwie brutal ehrlich ist.
Der Kreis des Lebens – Version Zahnarzt
Als Baby hast du keine Zähne.
Das interessiert dich nicht. Du bist glücklich, sabberst alles voll und wirst trotzdem geliebt.
Dann kommen sie.
Erst klein, dann mehr, dann komplett.
Du bekommst dein „Werkzeug fürs Leben“. Essen, Lächeln, Zubeißen – alles inklusive.
Und dann beginnt der Kampf.
Zahnbürste gegen Faulheit.
Zahnseide gegen „ach, morgen reicht auch“.
Zucker gegen Vernunft.
Spoiler Nummer zwei:
Zucker gewinnt öfter, als man zugeben möchte.
Der Moment der Wahrheit
Irgendwann sitzt du dann beim Zahnarzt.
Nicht freiwillig. Niemand geht freiwillig zum Zahnarzt. Das sind Mythen.
Du sitzt da, hörst dieses leise Surren und denkst dir:
„Vielleicht passiert ja heute nichts.“
Und dann passiert alles.
Heute Nacht hat mein Backenzahn beschlossen, dass er seine Karriere beendet.
Frühzeitiger Ruhestand. Ohne Antrag.
Der Zahnarzt war freundlich, professionell und absolut gnadenlos effizient.
Ein paar Minuten später war klar:
Der Zahn bleibt nicht. Ich schon.
Was bleibt?
Ein Loch.
Im Mund – und ein kleines bisschen im Ego.
Man merkt plötzlich, wie selbstverständlich man Dinge nimmt.
Kauen. Lächeln. Einfach „funktionieren“.
Und dann sitzt du da, mit leicht betäubter Backe, und denkst:
So fängt es also wieder an.
Zurück auf Anfang.
Ein kleines Stück näher an dem Zustand, mit dem alles begonnen hat.
Und trotzdem: Alles halb so wild
Weißt du, was das Verrückte ist?
Es ist gar nicht tragisch.
Ja, es nervt.
Ja, es tut weh.
Ja, du fühlst dich ein bisschen wie ein schlecht gewartetes Maschinenbauteil.
Aber es ist auch irgendwie… menschlich.
Wir sind nicht dafür gebaut, perfekt zu bleiben.
Wir sind dafür gebaut, zu leben.
Mit Macken. Mit Geschichten. Mit Zahnlücken, wenn es sein muss.
Kurz gesagt
Du kommst ohne Zähne auf diese Welt.
Und irgendwann gehst du auch wieder ohne.
Dazwischen liegt alles, was zählt:
Erlebnisse, Geschmack, Lachen, vielleicht auch mal ein nächtlicher Zahnarztbesuch, den du nie vergessen wirst.
Und wenn dir das nächste Mal jemand sagt, du sollst besser auf dich achten…hat er wahrscheinlich recht.
Aber ganz ehrlich?
Ein bisschen Leben darf ruhig Spuren hinterlassen.
Auch im Gebiss.
Und manchmal eben auch dort, wo es am meisten weh tut – auf dem Konto 🦷😄 !

