Ich habe meiner Frau dieses leuchtende Schild mit der Aufschrift „Love“ geschenkt.
Nicht, weil ich glaube, dass sie nicht weiß, wie sehr ich sie liebe. Sondern weil jeder Mensch hin und wieder eine kleine Form der Anerkennung braucht. Ein Zeichen, das sagt:
Du bist mir wichtig. Ich denke an dich. Ich sehe dich.
Mehr Menschlichkeit heißt nicht, dass es immer große Geschenke, aufwendige Überraschungen oder besonders spektakuläre Gesten sein müssen. Oft sind es gerade die kleinen Dinge, die im Alltag den größten Unterschied machen. Ein liebes Wort, eine kurze Nachricht, ein ehrliches Dankeschön oder eben ein leuchtendes Schild, das jeden Tag daran erinnert, was manchmal viel zu selten ausgesprochen wird.
Das gilt nicht nur für eine Ehe oder Partnerschaft, sondern eigentlich für alle Bereiche des Lebens.
Wertschätzung im privaten Alltag
Gerade bei Menschen, mit denen wir täglich zusammenleben, schleichen sich viele Dinge schnell als selbstverständlich ein. Das Essen steht auf dem Tisch, der Einkauf ist erledigt, jemand kümmert sich um den Haushalt, hört zu, tröstet oder denkt an Dinge, die man selbst längst vergessen hätte.
Dabei wäre es gar nicht schwer, zwischendurch bewusst zu zeigen, dass man diese Dinge wahrnimmt. Man könnte zum Beispiel:
- einfach einmal Danke sagen, ohne dass es dafür einen besonderen Anlass gibt,
- dem anderen eine kleine Aufmerksamkeit mitbringen,
- eine liebe Nachricht auf dem Tisch oder dem Handy hinterlassen,
- bewusst Zeit miteinander verbringen, ohne Fernseher und Smartphone,
- gemeinsam kochen, spazieren gehen oder einen Ausflug machen,
- ehrlich zuhören, ohne sofort eine Lösung oder einen klugen Kommentar liefern zu müssen,
- den anderen bei einer Aufgabe entlasten, bevor er darum bitten muss,
- öfter aussprechen, was man aneinander schätzt.
Manchmal reicht auch schon ein spontaner Kaffee, das Lieblingsessen oder die Frage: „Wie geht es dir eigentlich wirklich?“
Denn Aufmerksamkeit kostet häufig kein Geld. Sie verlangt lediglich etwas, das im hektischen Alltag offenbar noch seltener geworden ist: echtes Interesse.
Wertschätzung am Arbeitsplatz
Auch am Arbeitsplatz möchten Menschen nicht ausschließlich als Personalnummer, Kostenstelle oder austauschbares Teil eines Prozesses wahrgenommen werden. Natürlich wird am Ende vieles nüchtern abgerechnet, meistens unten rechts. Mit dem passenden Schmerzensgeld lässt sich über so manche Unannehmlichkeit hinwegsehen. Aber Geld allein sorgt noch lange nicht dafür, dass man sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt.
Oft sind es auch dort die kleinen Dinge, die viel bewirken können:
- ein ehrliches Lob für eine gut erledigte Arbeit,
- ein Dankeschön für zusätzlichen Einsatz,
- klare und respektvolle Kommunikation,
- das Einbeziehen der Beschäftigten in Entscheidungen,
- realistische Arbeitsaufträge und erreichbare Ziele,
- Verständnis für persönliche oder gesundheitliche Situationen,
- eine vernünftige Fehlerkultur, bei der nicht sofort nach einem Schuldigen gesucht wird,
- regelmäßige Gespräche, in denen tatsächlich zugehört wird,
- funktionierende Arbeitsmittel und vernünftige Arbeitsbedingungen,
- gemeinsame Pausen oder kleine Teamerlebnisse.
Auch Führungskräfte müssen dafür keine Motivationsshow mit Konfetti, Obstkorb und drei englischen Schlagwörtern veranstalten. Ein ehrliches „Das hast du gut gemacht“ kann glaubwürdiger sein als jede Präsentation über angebliche Unternehmenskultur.
Wichtig ist allerdings, dass Anerkennung ehrlich gemeint ist. Ein schnell hingeworfenes Lob wirkt genauso wenig wie ein Pflichtgeschenk, das nur verteilt wird, weil es irgendwo auf einer Liste steht.
Was jeder selbst beitragen kann
Ein gutes Miteinander ist keine Einbahnstraße. Nicht nur Partner, Freunde, Kollegen oder Vorgesetzte sind dafür verantwortlich, dass wir uns wohlfühlen. Jeder kann selbst etwas dazu beitragen:
- andere respektvoll behandeln,
- Hilfe anbieten,
- aufmerksam zuhören,
- Konflikte früh und sachlich ansprechen,
- sich für Fehler entschuldigen,
- Erfolge anderer anerkennen,
- nicht jede schlechte Stimmung ungefiltert an den Mitmenschen auslassen,
- Grenzen anderer respektieren,
- und gelegentlich überprüfen, ob das eigene Verhalten wirklich so angenehm ist, wie man selbst glaubt.
Denn Wertschätzung bedeutet nicht nur, etwas zu bekommen. Sie bedeutet auch, anderen das Gefühl zu geben, gesehen und ernst genommen zu werden.
Kleine Gesten mit großer Wirkung
Es sind häufig nicht die großen Dinge, die darüber entscheiden, ob wir uns geliebt, respektiert oder wertgeschätzt fühlen. Es sind die kleinen Gesten im richtigen Moment.
Ein ehrliches Lob.
Ein gemeinsames Essen.
Ein kurzer Anruf.
Eine helfende Hand.
Ein offenes Gespräch.
Oder einfach ein kleines Schild mit der Aufschrift „Love“.
Vielleicht sollten wir solche Zeichen viel öfter setzen, statt stillschweigend davon auszugehen, dass der andere schon wissen wird, was er uns bedeutet.
Denn Gedanken sind leider noch immer nicht sichtbar. Ein kleines Zeichen der Wertschätzung dagegen schon.

